KOMMENTAR 22.03.2007
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Erstaunliches Maß an
Ignoranz
Kein einheitliches
Rauchverbot für die Gastronomie
Von Martin
Steinhage
Weit über 100.000
Menschen sterben jährlich in Deutschland an den Folgen des Tabakkonsums,
darunter einige 1000 Passivraucher. Dem Gesundheitswesen entstehen hohe Kosten
durch den Nikotinmissbrauch. Heerscharen von Jugendlichen greifen zur Zigarette,
auch weil ihnen rauchende Erwachsene schlechte Vorbilder
sind.
In vielen unserer
Nachbarländer, und auch außerhalb Europas, war das früher nicht anders. Dort
aber gelten inzwischen teilweise äußerst rigorose Rauchverbote. Geschadet hat
das in Italien, Schottland oder den Vereinigten Staaten kaum jemandem, genutzt
hat es den allermeisten. Ähnliches wünscht sich eine deutliche Mehrheit der
Bevölkerung in Deutschland. Auch Gastronomen können sich Umfragen zufolge längst
vorstellen, Tabak aus ihren Kneipen, Bars und Restaurants zu verbannen - sofern
denn überall und jederzeit gleiches Recht für alle gilt. Sprich: ein
einheitliches Rauchverbot ohne Ausnahmen in der gesamten Bandbreite der
Gastronomie.
So viel Einsicht gab
es selten. Sie böte beste Voraussetzungen für einen umfassenden, konsequenten
Nichtraucherschutz auch hierzulande. Dem aber stehen die Regierungschefs einiger
deutscher Länder entgegen. Die Ministerpräsidenten konnten sich zwar heute
unisono auf ein sehr weitgehendes Rauchverbot in nahezu allen öffentlichen
Gebäuden und Einrichtungen verständigen, was ausdrücklich Anerkennung verdient.
Für eine bundesweit einheitliche Übereinkunft für die Gastronomie hat es aber
nicht gereicht. Mehrere Landesfürsten beharrten auf Ausnahmen von der
Nichtraucher-Regel, etwa bei Eckkneipen oder in
Bierzelten.
Die betreffenden
Ministerpräsidenten beweisen damit ein erstaunliches Maß an Ignoranz: Sie
verkennen die gesundheitspolitischen Folgen ihres inkonsequenten Handelns.
Eindeutige Erfahrungen aus dem Ausland werden übergangen. Einige Länderchefs
interessieren sich nur begrenzt für die Bedürfnisse der Bevölkerungsmehrheit.
Und sie verhöhnen die Kneipiers, wenn sie diesen nun anbieten, selbst zu
entscheiden, ob ihre Tür künftig noch Rauchern offen steht. Kein Wirt wird es
sich leisten können, den blauen Dunst aus seinem Lokal zu verbannen, wenn der
Konkurrent gegenüber die Qualmerei weiter duldet. Natürlich ist dieser schlichte
Zusammenhang auch allen Ministerpräsidenten bekannt. Daher ist die Haltung der
Bremser an dieser Stelle die pure Heuchelei.
Es ist nicht zu
erwarten, dass in den Landesparlamenten, wo nun die jeweiligen
Nichtraucherschutz-Gesetze formuliert werden, die heute gefassten Beschlüsse
noch kippen. Da dem Bund die Hände gebunden scheinen, wird man im Lande selbst
wohl nicht die Kraft finden zu einer wirklich befriedigenden Lösung. Vielleicht
aber kann ja die EU in diesem Fall die deutsche Politik von ihrer notorischen
Neigung zu Sonderwegen abbringen, und dem konsequenten Nichtraucherschutz auch
in Deutschland zum Durchbruch verhelfen. Zu wünschen wäre es. Brüssel,
übernehmen Sie!
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